Teil 9: Die Geschichte, die ich mir über mich selbst erzähle.
Unser Hund hebt manchmal ganz plötzlich den Kopf. Als hätte er etwas wahrgenommen. Ein Geräusch. Einen Geruch. Einen anderen Hund in der Ferne. Meistens hat er recht. Mein Gehirn macht etwas Ähnliches. Nur leider schlägt es manchmal auch Alarm, obwohl gar nichts passiert ist. Ich sitze mit einer Tasse Kaffee auf dem Sofa und scrolle durch LinkedIn.
Teil 8: Die Landkarte endet hier. Der Weg nicht.
Unser Hund knabbert genüsslich an einer Kaustange. Mit einer beneidenswerten Hingabe. Vielleicht hat er Hunger. Vielleicht überbrückt er einfach die Zeit bis zum nächsten Spaziergang. Währenddessen sitze ich am Esstisch. Vor mir liegt ein Fragebogen. “Standortbestimmung” steht oben. Ich muss schmunzeln. Meinen Standort kenne ich im Moment nämlich ziemlich genau. Ausgesteuert. Vielen Dank. Dafür hätte ich den Fragebogen
Teil 7: Der erste Termin meines Tages hat eine nasse Nase.
Manchmal spürt man es. Dieses eigenartige Gefühl, dass einen jemand beobachtet. Man schläft noch halb. Und trotzdem weiss man plötzlich: Da ist jemand. Ich öffne vorsichtig die Augen. Eine Briefmarkenlänge von meiner Nase entfernt steht unser Hund. In voller Lebensgrösse. Er schaut mich an. Regungslos. Fast ehrfürchtig. Als würde er prüfen, ob ich schon wach bin.
Teil 6: Manchmal beginnt Zugehörigkeit mit einem wedelnden Schwanz.
Obacht. Unser Hund hat in der Ferne einen vierbeinigen Freund entdeckt. Mit einem Mal bleibt er stehen. Dann beginnt sein Schwanz zu kreisen. Erst langsam. Dann immer schneller. Wie ein kleiner Helikopterrotor. Mein Mann lächelt. Er macht die Leine ab. Im nächsten Augenblick schiesst unser Hund los. Der schwarze Labrador in der Ferne kommt ihm genauso
Teil 5: Heute hat mir niemand applaudiert.
Mein Hund liebt die Terrasse. Vor allem den Platz im Schatten. Von dort aus beobachtet er den See. Gefühlt stundenlang. Möwen ziehen kreischend ihre Kreise. Jogger laufen vorbei. Menschen gehen spazieren. Und dann plötzlich: Aufregung. Ein anderer Hund. Mein Hund springt auf, wedelt, bellt, möchte unbedingt Hallo sagen. Einen Augenblick später ist alles wieder vorbei. Er
Teil 4: Wer bleibt übrig, wenn die Visitenkarte verschwindet?
Kürzlich habe ich angefangen aufzuräumen. Nicht halbherzig. Richtig. Schrank für Schrank. Schublade für Schublade. Ich bin nämlich fest davon überzeugt, dass man beim Aufräumen nicht nur Ordnung in der Wohnung schafft, sondern manchmal auch im eigenen Kopf. Man sortiert Dinge aus. Erinnerungen. Ballast. Vielleicht sogar ein kleines Stück von sich selbst. Mein Hund schlief währenddessen tief und
Teil 3: Wörter können verdammt weh tun.
Mein Hund schaut mich an. Dann legt er den Kopf schief. Ich rede schon seit einer gefühlten Ewigkeit vor mich hin. Über Wörter. Über Grammatik. Über Sprachgeschichte. Er versteht kein einziges Wort. Oder genauer gesagt: Er versteht wahrscheinlich genau das Wesentliche. Meine Stimme. Meine Stimmung. Dass ich nachdenke. Dann gähnt er. Ich nehme das als höflichen
Teil 2: Ich könnte auch einfach schweigen.
Kürzlich war ich wie jeden Morgen kurz nach fünf Uhr mit meinem Hund unterwegs. Der Zürichsee lag beinahe regungslos da. Die ersten Sonnenstrahlen hatten sich an ein paar feine Wolkenschleier geklebt. Eine sanfte Brise strich über das Wasser. Diese Ruhe. Diese Stille. Für einen kurzen Moment schien die Welt noch niemandem zu gehören. Noch. In einer halben Stunde würden
Teil 1: Hallo erstmal. Ich bin ausgesteuert.
1. Juli 2026. 5.00 Uhr. Der Wecker klingelt. «Guten Morgen. Sie sind ausgesteuert. Herzlichen Glückwunsch.» So ungefähr hätte ich mir das vorgestellt. Eigentlich hatte ich erwartet, dass sich an meinem ersten Tag als Ausgesteuerte der gewittrige Himmel in dramatischer Manier über mir auftut. Dass aus der entstandenen Wolkenkluft mit der Stimme von Philip Maloney mir meine neue Lebenssituation entgegendröhnt. Dass